Goodbye Germany… Die Auswanderer.
Jetzt ist es soweit. Die Zeit des Abschieds hat nun offiziell begonnen.
Der letzte Schultag ist überstanden und das erste Mal sind Tränen geflossen. Von nun an folgt eine Abschiedsparty nach der anderen. Originelle Geschenke für die Auswanderer müssen her, verheißungsvolle Worte müssen auf eine Karte geschrieben werden und die eigene Abschiedsfeier muss organisiert werden.
Viele von meinen Freunden und Bekannten packt das Fieber. Weg hier. Einfach weg. Und zurück lassen. Wenigstens einen Teil. Freunde, Familie, das ein oder andere Hobby und die Gewohnheit. Die Gewissheit, dass alles schon irgendwie laufen wird, so wie es jeden Tag irgendwie läuft.
Ich werde sentimental. Auf der einen Seite ist da die Gewohnheit und der Alltag, den ich einfach nicht mehr sehen kann. Der mich ankotzt, jeden neuen Tag. Da sind die Freunde, die nicht mehr als nur Bekannte sind. Und eben jene Klassenkameraden, die sich zu Herzen genommen haben, alle guten Zeiten in der Klassengemeinschaft aus dem Gedächtnis zu verbannen und durch neue, schlechte zu ersetzen. Auf der anderen Seite warten hier echte Freunde. Wirkliche Freunde, stundenlange Telefonate, spontane Treffen, einfühlsame Momente und Glücksgefühle. Da wartet die Familie, die Halt und Kraft gibt und einfach die tollste Familie der Welt ist. Es sind neue Freundschaften entstanden, erst in den letzten Monaten, die viel eher hätten entstehen sollen. Und da hockt mein Hobby, mein kleines unpopuläres Hobby und meine Trainingsgruppe, die ich verlasse.
Und was erwartet mich, auf der anderen Seite des Ärmelkanals, bei den Inselaffen? Ich weiß es nicht. Und eben diese Ungewissheit macht es so schwer. Wie kann man etwas zurücklassen, wenn man doch nicht weiß, was man dafür bekommt? Ob man überhaupt etwas bekommt…
Ich habe mir vorgenommen zu schreiben. Den Freunden, die ich zurücklasse. Den Freunden, die auch ein ganz neues Kapitel in ihrem Tagebuch anfangen werden. Und denjenigen, die ich schon fast vergessen habe.
Und eines habe ich mir Vorgenommen: zu leben. Und vorher werde ich noch alle letzten Momente mit den bedeutenden Personen meines Lebens verbringen und die ein oder andere Träne vergießen. Die letzten zwei Monate werde ich auskosten.
Beside every tear that sorrow has left you
tears of joy will take their place…
(Tuch and Patti – Tears of Joy)
Von Bällen… und „Das Runde muss ins Eckige“
Ja, ich gucke Fußball. Wieder.
Nachdem ich mich noch 2006 bei der WM dagegen gewehrt habe und letztendlich auf Euphoriewellen meines Heimatlandes doch zu den Public Viewing Plätzen geschwommen bin, habe ich jetzt einfach beschlossen von vorn herein einfach die interessanten Spiele zu gucken.
Nicht nach dem Sinne: Ah, wenn ich jetzt so tue, als ob ich mich für Fußball interessieren würde, dann komme ich vielleicht besser bei den Typen an. Und auch ganz bestimmt nicht, um mich über Christiano Ronaldos Oberkörper zu unterhalten. Auch nicht, weil ich soo viel Ahnung von Fußball habe.
Nein, ich glaube ich gucke einfach nur, weil ich irgendwie ein paar kleine Sympathien für verschiedene Länder entwickelt habe. Und weil es mich interessiert, welche „Folgen“ der Fußballkonsum hat.
So wurde ein in Polenflagge eingewickelter Schüler erst einmal von Pfiffen und Buh-Rufen durch die Schule begleitet wurde. Alle anderen haben die letzten Tage ständig EIN stinkendes Deutschlandtrikot an und natürlich die Flagge auf ihr Gesicht gemalt.
Zum letzen Deutschlandspiel (das ich leider nicht gucken konnte, weil ich einen wichtigen anderen Termin hatte) waren dann prompt ab halb 6 Uhr alle Straßen verstopft, weil alle arbeitenden Menschen noch schnell und rechtzeitig nach Hause kommen wollten…
Ich gucke jetzt das Griechenland-Russland-Spiel und habe beschlossen einfach mal für Russland zu sein. Denn das Land, das ich mit Herz und Seele für mindestens 90 Minuten lang unterstütze hat bis jetzt (fast) immer verloren.
Mein Frankreichtrikot ist dieses Jahr noch unbenutzt und wird sich wohl oder übel zu dem Englandtrikot in meinen Schrank gesellen.
Naja. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Und „Jede Seite hat zwei Medaillen“…